Goldene Rampe 2025 für Günther Bauer
Der Arbeitskreis Inklusion Rosenheim Stadt und Land hat Günther Bauer in Prien für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Gewürdigt wurden seine Verdienste beim Aufbau und Betrieb der Wohnanlage „Leben mit Handicap“ sowie sein weiteres Engagement für die Rechte von Menschen mit Behinderung.
Prien – Die „Goldene Rampe 2025“ geht nach Prien. Zum 25. Mal hat der „Arbeitskreis Inklusion Rosenheim Stadt und Land“ die Auszeichnung verliehen, die einmal jährlich das Engagement von Bürgern im Bereich der Förderung von Menschen mit Behinderung würdigt. Am vergangenen Wochenende erhielt Günther Bauer für seine außergewöhnlichen Verdienste und insbesondere für sein Lebenswerk „Wohnen für Menschen mit Handicap“ die „Goldene Rampe“ von Hans Loy, dem Vorsitzenden des Arbeitskreises Inklusion, und Christine Mayer, der Behindertenbeauftragten der Stadt Rosenheim, überreicht.
Mitten im Ort – mitten drin im Leben
Und es hätte keinen besseren Ort für diese Ehrung geben können als den Veranstaltungsraum mit Bergblick in dieser Wohnanlage in Prien. Eine Wohnanlage auf drei Etagen in ruhiger Lage, aber mitten im Ort, die es den Bewohnern erlaubt, am örtlichen Leben teilzuhaben, mitten drin zu sein, nicht nur dabei.
Vom ersten Tag des Projekts an dabei war Bewohner Lucas Huber, der berichtete: „Am 12. Oktober 2012 hat die erste Übernachtung in der Wohnanlage für Menschen mit Behinderung in Prien stattgefunden – und ich war dabei!“ Daran, dass es möglich wurde, hätten viele mitgewirkt, aber einer habe die Führung übernommen, so Huber weiter: „Und das war du, lieber Günther. Ohne dich gäbe es die Wohnanlage nicht, und dafür danken wir Bewohner dir herzlich!“
Einen kleinen Rückblick auf den Beginn dieser Erfolgsgeschichte vor 20 Jahren gab Bettina Brühl, seit zwei Monaten Vorsitzende und Nachfolgerin von Günther Bauer im Vorstand des Vereins „Leben mit Handicap“ ist. Sie konnte die Entstehung des Wohnprojekts miterleben, da sie über das Petö-Projekt in den Elternbeirat des Aschauer Förderzentrums gekommen war. Dort hatte sie Günther Bauer als Vorsitzenden des Elternbeirats und, so erklärte sie es, als die gleiche „Nervensäge“ kennengelernt, wie sie es selbst sein kann – vor allem, wenn es um die Interessen von Kindern geht. Bauer habe schon damals die Frage bewegt: „Wo und wie sollen unsere Kinder einmal wohnen, wenn die Eltern sich nicht mehr um sie kümmern können? Und wollen und sollen diese jungen Erwachsenen nicht auch ein eigenständiges und möglichst selbstbestimmtes Leben führen?“
Kaum Wohnplätze für Menschen mit Handicap
Es gab und gebe bis heute zu wenig Wohnplätze für Menschen mit körperlichen und komplexen Einschränkungen sowie Pflegebedarf, betonte sie weiter. Die Lösung lag auf der Hand: Ein Haus musste gebaut und betrieben werden. Durch die Unterstützung des Marktes Prien wurde ein passender Baugrund gefunden. Fast 30 Familien nahmen eigenes Geld in die Hand, und mit Spenden – allen voran der OBW-Weihnachtsaktion – sowie öffentlichen Darlehen konnte der Bau schließlich realisiert werden.
Eine weitere Hürde stellte die Frage nach dem Betreiber dar. Große Träger bis nach München wurden angefragt. Dem einen war das Tempo der Eltern zu hoch, dem anderen passte die Architektur nicht – und dass die Eltern dann auch noch mitsprechen wollten, galt als unzumutbar, erinnerte Bettina Brühl. Also sei weiter Eigeninitiative gefragt gewesen, allen voran erneut Günther Bauer, der feststellte: „Dann müssen wir das eben selber organisieren.“ Mit Aloisi Feif und Stefan Mayer wurden die heutigen Betreiber des ambulanten Pflege- und Betreuungsdienstes „Mayer-Reif-Scheck“ ins Boot geholt. Auch die vielen kleinen und großen Steine, die der Bezirk als Kostenträger vor allem bei dem Thema Belegungsrechte in den Weg gelegt hatte – was eine Geschichte für sich wäre – wurden erfolgreich umschifft. Bettina Brühl: „Das Konzept funktioniert. Allen Unkenrufen zum Trotz sind wir immer noch nicht pleite.“ Das Konzept werde auch so weitergeführt, versprach Bettina Brühl zum Abschluss ihres Rückblicks, auch wenn es mit ihr und Geschäftsführer Stefan Leicht „zwei Menschen beinhaltet, um das Pensum von Günther Bauer leisten zu können.“
„Er hat einen Dickkopf – und wenn er etwas erreichen will, schafft er es.“
— Bettina Brühl
Die Zielstrebigkeit und die Fähigkeiten Bauers, Mitstreiter zu finden und nie aufzugeben, hob Hans Loy in seiner Laudatio hervor. Loy sagte: „Er ist da genauso wie ich, er hat einen Dickkopf, und wenn er etwas erreichen will, schafft er es.“ Bauer sei nicht nur der Gründer des Vereins „Leben mit Handicap“ gewesen, sondern auch Geschäftsführer und kümmerte sich um die Finanzen. Zudem schaffte er es, die richtigen Personen einzubeziehen, wie Anita Ried, die ehemalige Behindertenbeauftragte des Freistaats Bayern, betonte, „um das persönliche Budget für die Bewohner einzufädeln.“ Um dies durchzusetzen, sei Bauer mit unzähligen Terminen beim Bezirk vorstellig gewesen.
Konkret lobte Loy an der Wohnanlage auch die Standortwahl – mitten im Ort und mitten in der Gesellschaft. Ebenso betonte er die Weitsicht Bauers, rechtzeitig die Verantwortung für sein Lebenswerk in andere Hände zu legen, um damit einen fließenden Übergang zu schaffen, aber weiterhin beratend zur Seite zu stehen.
Eine Auszeichnung für sein Lebenswerk
Als Auszeichnung für sein Lebenswerk, für Verdienste bei der Schaffung von Wohnraum für Menschen mit Behinderung und für seine Initiative für den Bau und den Betrieb der Wohnanlage „Leben mit Handicap“ verlas Hans Loy zusammen mit der Behindertenbeauftragten der Stadt Rosenheim, Christine Mayer, die Urkunde. Anschließend übergab er die „Goldene Rampe 2025“ unter Applaus an Günther Bauer.
Dieser nahm die eigens von Hans Loy „vergoldete“ Auszeichnung stellvertretend für all seine Mitstreiter an und warb sofort für das neue Projekt des Vereins „Recht haben – Recht bekommen“. Mit diesem Projekt will sich Günther Bauer weiterhin aktiv für die Rechte von Menschen mit Behinderung einsetzen. Im Anschluss gab es einen Blumenstrauß für Christine Mayer und eine Brotzeit für die Gäste. Für die musikalische Umrahmung der Feier sorgten die Geschwister Vordermaier aus Söhlhuben.
Von Anita Berger
